Mediation - Ein Wundermittel?
Mediation wird zuweilen als Wundermittel angepriesen, um in sämtlichen Konfliktsituationen den allseits ersehnten Frieden wiederherzustellen. Ganz so einfach ist es in der Praxis nicht.
Aber dennoch: Eine sorgfältig durchgeführte Mediation, verstanden als ein von einer allparteilichen, d.h. neutralen Mediator*in moderiertes Gespräch, bei welchem die Medianden durch gezielte Fragetechnik der Mediator*in dazu gebracht werden, von ihrer unverrückbaren Position wegzukommen, hin zu den Hintergründen, zu ihren tatsächlichen Interessen und Motiven, die hinter diesen Positionen stehen, kann in verschiedenen Auseinandersetzungen zu guten Lösungen führen.
Die Interessenarbeit
Nach einer Eröffnungsphase und der gemeinsamen Auswahl des Verhandlungsthemas ist die Interessenarbeit der dritte Schritt einer Mediation. Zuerst lernen die Medianden sich selber respektive die Hintergründe ihrer Position kennen. Dabei müssen sie der Mediator*in auch das vermeintlich Selbstverständliche erklären. Dieser Schritt ist der eigentliche Schlüssel einer erfolgreichen Mediation.
Aktives Zuhören
Die Mediator*in stellt mit der Technik des sogenannten "aktiven Zuhörens" sicher, dass sie die Sichtweise der Mediand*in erfasst und verstanden hat – und hilft der Mediand*in, ihre Interessenlage zu finden und sich selber damit besser zu verstehen. Dies notabene alles in Gegenwart der «Gegenpartei», der anderen Mediand*in.
Diese Vorgehensweise des schrittweisen Erfragens und Erklärens hat den Vorteil, dass bei der anderen Mediand*in Verständnis für die Situation und die Sichtweise der anderen Partei geschaffen wird, ohne damit in irgendeiner Weise einverstanden sein zu müssen. Darauf wird im Vorfeld durch die Mediator*in hingewiesen. Jede Mediand*in darf seine eigene Meinung äussern. Ihre Sichtweise wird ihr belassen, über seine Gefühle kann und wird nicht verhandelt werden. Somit ist es äusserst gefahrenlos für sie, die Chance zu nutzen und der Mediator*in zu erzählen, wo der Schuh drückt und welche Interessen hinter ihrer Position stehen.
Mögliche Anwendungsfelder
Im Bereich der sogenannten Nachbarstreitigkeiten ist das Mittel der Mediation ein geeignetes Instrument der Streitschlichtung. Häufig liegt der Streit nicht wirklich im nicht eingehaltenen Grenzabstand oder im Umstand, dass jemand einen Ast eines Baums kappt, sondern möglicherweise in der Art und Weise, wie man miteinander – oftmals schon seit Jahren – umgeht.
Auch bei Trennungen, Scheidungen und Erbteilungen oder auch bei Streitigkeiten in Unternehmen so wie vielen weiteren Konfliktsituationen kann eine Mediation zum gewünschten Erfolg führen.
Harte Arbeit und riesige Chance zugleich
Mediation ist für die Medianden jedenfalls harte Arbeit, weil man angehalten ist, sich mit sich selber, seiner Position und seinen Interessen ehrlich auseinanderzusetzen. Aber es ist auch eine riesige Chance, denn nach abgeschlossener Interessenarbeit und einer ebenfalls moderierten Optionensuche und -bewertung ist nicht selten eine verbindliche Vereinbarung zwischen den Medianden das Ergebnis. Somit müsste sich eigentlich jede Streitpartei fragen: Was habe ich zu verlieren, wenn ich statt des gerichtlichen Verfahrens den schnelleren, günstigeren Versuch einer Mediationssitzung wage?



